Tag 5: Der Letzte Tag

Schon ist Abreisetag, ein unerwartetes Abenteuer und auch der Reisebericht geht nun zu Ende. Es wird auch ein Heavy-Fußballtag. Zuerst Public Viewing Spanien-Chile in der Business Lounge im Flughafen in Sao Paulo. Es gibt wohl auch einen zeitnahen Flug nach Spanien, jedenfalls ertrugen die spanischen Loungebesucher das Spiel gegen Chile nur mit Mühe, genauso wie die geballte quantitative Übermacht dieser seltsamen Chile-Fangruppe aus Deutschland. Meine Chancen für den Sieg im d.core WM-Tippspiel könnten dramatisch sinken, es sei denn die meisten anderen Kollegen haben auch Spanien als Halb- oder Finalist getippt.

Dann haben wir in der erneut brandneuen Boing 747-8 (früher hießen die noch 747-300 und 747-400, aber früher hießen die Audis ja auch 80 und100, jetzt 4 und 6; die neue Bescheidenheit vielleicht?) jeder einen eigenen Bildschirm. Seltsames Public Viewing Kamerun-Kroatien als Live-Übertragung in 13 km Höhe, gemeinsam aber jeder für sich und jeder mit Kopfhörer. Die brandneue Klapptischkonstruktion wurde wohl nicht ausreichend produktgetestet. Jedenfalls knickt die vordere Hälfte um zwei oder drei Grad ab, so dass ein Glas und das Essen der Sitznachbarin runterrutschen – die früher dies verhindernde umlaufende Kante ist wohl einem neuen Gesamtkonzept zum Opfer gefallen.

Bemerkenswert übrigens sind die neuen Knick-Schlaf-Kopfstützen, die denjenigen, der nicht am Fenster sitzt, eine Anlehnfläche für den Kopf bieten.

 

Wir überfliegen in nordöstlicher Richtung Salvador de Bahia, wo wir vor 8 Stunden ins 1.800 km südwestlich gelegene Sao Paulo abgeflogen sind. Direktflüge wären schon ne tolle Sache. Diese Zeilen schreibe ich übrigens, während wir den Aquator überfliegen, wobei sich die Frage an die Physikphilosophen unter uns stellt ob wir ihn über- oder unterfliegen oder sogar durch ihn durchfliegen. Und noch eine Neuerung: statt für 25€ könnte ich als T-Mobile-Kunde für 15 € den ganzen Flug lang im Internet surfen und Emails abrufen. Da um diese Zeit (Nacht vor Feiertag) mir kein Mensch ein Mail schickt und die SPIEGEL ONLINE-Redaktion wahrscheinlich bis auf den Volontär zu Hause ist, spare ich mir die 15 € und bin einfach nur theoretisch beeindruckt. Wenn ich mindestens zweimal im Monat interkontinental fliege und immer ins Internet gehe, spare ich gefühlt die Hälfte meiner T-Mobile-Rechnung allein durch den Kundenrabatt. Liebe Kunden, d.core hätte gerne viele Interkontinentalaufträge.

Jetzt merke ich, dass die last minute-Postkarten, für deren Briefmarken ich pro Marke durchschnittlich 3,5 Minuten im Postamt gewartet habe, noch in meiner Hosentasche stecken, statt im Briefkasten in Sao Paulo. Ich habe 10 Marken gekauft. Überhaupt: etwas Geduld und Tiefenentspannung sollte man in Brasilien mitbringen. Sonst besteht Gefahr fürs Nervenkostüm oder Gesichtsfarbe. Und ein wirklich ernsthafter Tipp an Brasilien. Statt teurer Stadionneu- oder rückbauten lieber ein paar Wochenstunden mehr Englisch für die Schüler wären eine höchst sinnvolles Investment. Selbst jüngere Leute verfügen über nahezu keine Sprachkennnisse, was für den Touristen, aber sicherlich auch die Wirtschaft ein größeres Problem darstellen dürfte.

Auch in Deutschland gibt’s Neuigkeiten: in Frankfurt eine „automatisierte Einreisekontrolle“ – „wie geil ist das denn“ so einige meiner Reisefreunde. Jetzt noch zurück nach München – als normaler Passagier und nicht mehr als beneidete, sondervorzugsbehandelte Fanhansagruppe. Schön wars, welches Glück, welche Erfahrungen, welche Aufregungen.

 

Ich fürchte, mein Glückspotenzial der nächsten Jahre ist erstmal komplett verbraucht. Schade eigentlich.

Danke an Lufthansa, danke an den BVM wegen der unbewußt optimalen Kongressterminierung, danke an Bodyguards, Strandverkäufer und das Verständnis der d.core-Kunden und an meine Familie wegen des zwangsverkürzten Pfingsturlaubs. Eines kam während der Reise vielleicht etwas kurz: Tiefe Insights in die brasilianische Mentalität, in die Menschen, den Verbraucher, den Mediennutzer. Dazu haben wir einfach zu viel Zeit im Bus, im Flugzeug und in Restaurants verbracht. Für meinen nächsten Reisebericht gelobe ich Besserung.

Ihr Hobbyreiseberichterstatter

Wolfgang Dittrich

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