Karibik 5. und letzter Teil: Guadeloupe

Guadeloupe

A propos traumatisiert: Charlie Hebdo bewegt auch hier die Menschen tief. Der Taxifahrer vom Hafen zum Flughafen zeigt uns sofort am Handy die Schießerei in Paris. Gerade traf die Nachricht ein, dass auch eine Polizistin, die aus Martinique stammt, erschossen wurde. Ob sich an diesem Terror etwas ändern wird? Der Trauermarsch, den wir auch hier verfolgen, schafft, nicht zuletzt durch „Je Suis Charlie“, ein Gefühl der gemeinschaftlichen Trauer, des Zusammenrückens, aber ich fürchte, das Gemeinschaftsgefühl wird sehr bald der Realität in Form von neuem Terror weichen. Zumal der Sachverhalt letztlich kaum zu durchschauen ist. Die Muslime im Allgemeinen und der Islam an sich sind bestimmt nicht das Problem, aber was ist mit den Instrumentalisierern (Islamisten) und Trittbrettfahrern (Pegida)?

Ein weiterer aktueller Paukenschlag vom Jahresende wird die Karibik verändern: Die USA-Kuba-Annäherung. Am letzten Abend in Dominica traf ein Ehepaar aus Sint Maarten ein, ein „autonomes Land im Königreich der Niederlande“ (27.000 Einwohner). Das ist die eine Hälfte der Insel, die sie sich mit Frankreich teilt: Saint-Martin (Überseegebietskörperschaft von Frankreich; 37.000). Daher befindet sich in der Karibik die einzige Landgrenze zwischen Holland und Frankreich und außerdem der höchste Berg der Niederlande mit ca. 500 m. Sie berichten aus aktuellem Anlass, dass viele der kleineren Länder in der Karibik vom Tourismus leben und sich jetzt Sorgen machen, dass die vielen US-amerikanischen Touristen bald wegbleiben könnten, da diese ab jetzt verstärkt nach Kuba fahren könnten, was bislang nicht möglich war. Und vielleicht nicht nur die amerikanischen.

Unser Vulkanpech bleibt uns treu. Der Vulkan auf Guadeloupe „Souffrière“ im Süden von Basse-Terre war an dem geplanten Tag in Wolken gehüllt, so wanderten wir mal wieder durch den Regenwald (im Regen, Sonne kommt sowie nicht durch). Tiere waren keine zu sehen, aber jede Menge Bäume, Pflanzen und Lianen. Das mit dem Vulkan ist schade, denn die Fachleute sind sich einig: der nächste Ausbruch kommt ganz sicher in den nächsten 500 Jahren und wird große Teile der Insel zerstören, Karte Guadeloupezumindest in der westlichen Hälfte, auch die Hauptstadt Basse-Terre.

Leider habe ich heute zum Meeresverschmutzung beigetragen: Die turbulente Brandung (türkis, 28°)

Brandung, türkis, 28°
Brandung, türkis, 28°

hat meine Schwimmbrille weggerissen: Letztere wird sich jetzt vermutlich auf eine Reise zunächst ins karibische Meer aufmachen, dann mit dem Golfstrom irgendwann Richtung Europa. War keine Absicht, ist aber ein guter Anlass für einen kleinen Exkurs:

Die Erde dreht sich am Ort des größten Umfangs (Äquator) mit immerhin mit 40.000 km/24 h = 1.677 km/h; ganz schön schnell nicht wahr? In München (48° nördlicher Breite) habe ich gerade mal eine Geschwindigkeit von 1.080 km/h berechnet. Durch diese Drehung werden die Luftteilchen, die sich von Nord nach Süd bewegen (weil es am Äquator sehr warm ist, steigt da die Luft nach oben; damit der Luftvorrat nicht ausgeht, wird Nachschub vom (in unserem Fall) Nordpol herangeschafft. Und dieser Nachschub wird durch die schnelle Drehung der Erde nach Westen (= Corioliskraft) zu einem ständigen starken Höhenwind (Jetstream). Diese Strömungen kommen auf der Erde je nach Region als Ostwind (Nordost-Passat) oder als Westwind (Nordwest-Passat) an und haben uns so fast jeden Tag zu schaffen gemacht. Und hat uns den häufigen Regen gebracht, da durch die starke Aufwärtsbewegung der Luft viele Wolken (mit viel Wasser versehen nach 5.000 km Atlantik) und dadurch Regen entstehen. Warum dieser Exkurs: Wegen des konstanten Windes sind die Schiffe ab dem 16. Jahrhundert immer zuerst von Europa nach Süden zu den kanarischen Inseln und dann mit dem Nordost-Passat über den Atlantik direkt in die Karibik gesegelt. Und da war es ganz praktisch, dass man in Afrika die Sklaven mitnehmen konnte, um dann auf dem Rückweg nach Europa den nördlicher wehenden Nordwest-Passat nutzen konnte, um Zucker, Kaffee oder eroberte Schätze (Mayas, Inkas etc.) nach Hause zu bringen, sofern nicht ein paar interessierte Piraten im Weg waren. Diese hatten alle moralische Berechtigung, denn alle Produkte und Schätze waren voller Blut und Grausamkeiten und wurden nebenbei von den verschiedensten Regierungen gefördert wie Sir (!) Francis Drake. Man schätzt übrigens, dass zunächst ca. 2 Millionen Bewohner der kleinen Antillen ermordet wurden und dann fehlten die Arbeitskräfte, weshalb Sklaven gebraucht wurden. Insgesamt wurden weit mehr als 20 Mio. Sklaven aus Afrika nach Nord-, Mittel- und Südamerika gebracht mit einer Lebenserwartung ab Ankunft von vielleicht 5 Jahren. Die meisten kamen allerdings erst gar nicht an.

Das System der Großgrundbesitzer und Plantagenbesitzer ist heute auf Martinique noch sehr präsent, in Guadeloupe dagegen wurde 1792 im Zuge der Französischen Revolution mitrevoltiert und die massiven Standes- und Wohlstandsunterschiede mittels Guillotine substanziell nivelliert. Wir hatten den Eindruck, dass es Martinique insgesamt besser geht, organisierter ist, näher an Europa ist als Guadeloupe. Christan, unser Guide beim Kanufahren durch die Mangrovenwälder,

Mangrovenwald
Mangrovenwald

hat uns viel über die Situation von Mensch und Natur auf Guadeloupe erläutert, darunter die hohe Jugendarbeitslosigkeit, häusliche Gewalt, hohe Unfallquoten, oft in Verbindung mit Alkohol und Drogen und die Sorge, dass die so kraftvolle Natur am meisten durch die Menschen gefährdet ist. Auch durch tolle Deals z.B. mit Chinesen und Japanern, die die Meeresgebiete abfischen dürfen und damit den einheimischen Fischern die Lebensgrundlage entziehen (siehe auch der chinesische Straßenbau auf Dominica). Jedenfalls werden die Langusten jetzt aus Jamaica importiert (gut, dass wir an Silvester keine gegessen haben).

Und zum Schluss eine gute Nachricht: es gibt auch weiterhin keine Mücken, keine Spinnen, aber immerhin Leguane. Sehen gefährlich aus, sind aber ziemlich klein. Beweis: Foto!20150111_134906_R

Jetzt geht’s zurück nach Deutschland – von Guadeloupe über Martinique, Paris Orly, Paris Charles de Gaulle. Jetzt hoffen wir, dass unsere Koffer gut ankommen (die Air France-Mitarbeiter waren sich da nicht sicher mit den Fähigkeiten der Kollegen von Air Antilles); der Flieger war auf jeden Fall der am schönsten bemalte EVER, 20150113_102049_Rknapp vor dem Fanhansa-Flieger im Sommermärchen 2014. Und wir freuen uns auf die Familie, die Arbeit, die Architekten- und Marktforscher-Teams, aufs Skifahren und die vielen Erinnerungen an einen tollen Urlaub. Wer will, der bekommt viele Reisetipps und wer darauf besteht, gaaanz viele Fotos zum Anschauen mit einem guten Rum-Punsch mit Geheimrezept von Christian (dem Kanu-Guide). Hier ein Abschlussbild zum Lustmachen.

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