Karibik 4. Teil: Dominica

Karibik 4. Teil: Dominica

Dominica
Dominica

Nach Ankunft im Hafen der Hauptstadt Roseau wartet David von unserer Lodge Crescent Moon auf uns und fährt uns – an jeder Menge Schlaglöchern, verrosteten Auto-, LKW-, Baggerwracks sowie abgeladenen Kühlschränken, Waschmaschinen und vielem mehr vorbei –auf einem kleinen Bergsträßchen mit vielen Haarnadelkurven in die Lodge Nähe Pont Cassé. Angesichts der noch leicht angeschlagenen Gesamtverfassung konnte ich diese Fahrt leider nicht völlig genießen und habe sogar den Linksverkehr kaum registriert.

Wir wohnen in einer Cabin an den Ausläufern des Regenwaldes,

Crescent Moon Cabin
Crescent Moon Cabin

gleichzeitig mit tollem Blick aufs wenige Meilen entfernte, aber deutlich unter uns gelegene Meer. Ähnlich wie im letzten Hotel befinden sich in den Fensterrahmen statt Glas verstellbare Lamellen, die das Zimmer stetig durchlüften, aber Regen zuverlässig abhalten. Und wir haben eine große Veranda mit Hängematte , die meistens trocken bleibt.

Zum Wetter und Ende mit Meteorologie. In Wirklichkeit sind es hier auf Dominica ein Regengott und ein Sonnengott, die sich einen Spaß draus machen, abwechselnd Spaß zu haben.

Regenwald
Regenwald

Letztlich mit tollen Folgen für Natur und Pflanzen, aber mit eingeschränkter Begeisterung bei den Touristen aus Deutschland. Und mit eingeschränkter Nachtruhe: Da es mindestens einmal pro Stunde regnet, mangels Fensterscheiben der Regen laut prasselt und außerdem meist mit Sturmböen einher geht, wachen wir pro Stunde mindestens einmal auf. Dafür gibt es hier, wie schon im stürmischen Martinique, keine einzige Mücke, die unsere Nachtruhe stören könnte. Außerdem warten wir immer noch auf unsere erste Spinne, Schlange, Opossum oder Leguan.

Ein normaler Tag startet hier mit einem vorzüglichen und gesunden Frühstück und endet mit einem tollen Abendessen von Inhaber und ehemaligem Chefkoch Ron. Dazwischen ein leichtes und leckeres Mittagessen, immer abgeschlossen von einem Kaffee aus

Kaffeebohnen
Kaffeebohnen

selbst angepflanzten Kaffeebohnen, geröstet in einer 20150106_095233_Rlässigen Eigenkonstruktion aus einer ausrangierten Popcornschüssel, einem Gaskocher, einem alten Scheibenwischer-Motor und einem ehemaligen Staubsauger. Alle vier Tage wird neu geröstet. Ein Genuss.

Geröstete Kaffeebohnen
Geröstete Kaffeebohnen

David, gebürtiger Dominicaner und Ehemann von Inhaber-Tochter Tiana, begleitet uns zu einigen Regenwaldwanderungen mit Klettersteigen und Wasserfällen. Wir sehen tolle Bäume, Blumen und Pflanzen, nur fast keine Tiere und Insekten. Ab und zu sehen wir eine Krabbe in einem Schlupfloch verschwinden, gefährlicher wird es nicht. Das Wasserfall-Wasser und die Gumpen sind warm (> 20°) und supererfrischend.

Wasserfall mit Wolfgang
Wasserfall mit Wolfgang

Ähnlich warm ist übrigens das Wasser, wenn es immer wieder mal wieder von oben kommt.

Die kleine Bergstraße entpuppt sich übrigens als Hauptverbindung von West nach Ost. Wir fahren in das Kalinago Territory, dem heutigen Gebiet der Ureinwohner der Insel. Sie waren so kriegerisch und die Insel so schwer zugänglich, dass Kolumbus kehrt machte und nach Guadeloupe weiterfuhr. Erst nach 1600 kamen die Engländer, später die Franzosen und besetzten die Insel. Daher auch die vielen französischen Namen – bevor dann die Briten 1782 die Franzosen final besiegten. Nur ca. 3.000 Ureinwohner leben heute noch auf der Insel, wir Europäer haben da wieder ganze Arbeit geleistet. Pünktlich zum Abendessen sind wir in der Lodge und fallen todmüde nach dem grandiosen Dinner (Thunfisch, morgens vor der Insel ohne Beifang à là „der alte Mann und das Meer“ gefangen) und nach einem oder zwei Rum-Punsch ins Bett.

Heute wollen wir mit dem Bus von der Lodge in die Hauptstadt Roseau fahren.

Wartehäuschen
Wartehäuschen

Leider kommt der Bus nicht, was auch nicht wundert, da es keine Fahrpläne gibt und alle Busse ohnehin in Roseau gebraucht werden, da ein Kreuzfahrtschiff festgemacht hat mit potenziellen Kunden. Das macht aber nichts, ein freundlicher Pick-Up nimmt uns auf der offenen Ladefläche mit. Da es mindestens einmal pro Stunde regnet, setzen wir uns prophylaktisch mit Regenjacke hin und klammern uns fest. Der Regen kommt im Gegensatz zum Bus zuverlässig und intensiv. Kurz vor Roseau ist die Sonne wieder da, es dampft, wir dampfen auch und wringen uns erstmal die Hosen aus.

Wir tauschen ECD’s, also East Caribean Dollars (1 US-$ = 2,67 EC$) und können nun einen Kaffee trinken gehen. Problem: es gibt zwar Cafés in Roseau, was noch lange nicht heißt dass es dort Kaffee gibt. Das ziemlich große Kreuzfahrtschiff liegt am Kai und würde die halbe Stadt verschatten, wenn nicht die Sonne, obwohl Winter, senkrecht am Himmel stehen würde. Deshalb ist es warm, wir mittlerweile fast wieder trocken, haben die Stadt besichtigt, viele bezaubernde und viele ehemals bezaubernde, jetzt heruntergekommene Häuser angeschaut und fotografiert,

Haus in Roseau
Haus in Roseau

eine 0,5 qm-Freiluft-Hamburger-Braterei ausprobiert sowie eine vorzügliche Snackeria (Chicken & Reis etc.) genossen.

Es war übrigens eine gute Entscheidung, auf ein Mietauto zu verzichten. Die Taxibusverbindungen sind gut, zumindest zwischen 6 und 18 Uhr. Danach wird’s schwierig. Das macht aber nichts, denn es ist fünf Minuten nach Sonnenuntergang so dunkel, dass man ohnehin kein Schlagloch auf der Straße mehr sieht (jedenfalls auf den Straßen, die die Chinesen noch nicht geflickt haben).

Wir fahren mit dem Taxi-Bus nach Soufrière zum Bubble SPA: Ein kleiner Bereich am Strand wo heiße Schwefelgase fast am Strand im Wasser aufsteigen, das Wasser erwärmen und es überall – wie im Jakuzzi –blubbert ohne nach faulen Eiern zu riechen.

Bubble SPA mit Bar
Bubble SPA mit Bar

Die Bubble Bar ist vorzüglich ausgestattet: Rum, Rum Punsch (=Rum mit Saft), Kubuli-Bier und Kubuli Shandy (=Radler) und Cola. Kein Wasser, kein Saft ohne Rum, kein Kaffee. Wir fahren an einem Drehort von Pirates in the Carribean vorbei, deren Folgen 2 und 3 auf Dominica gedreht wurden. Auf dem 1 EC$-Stück ist übrigens ein toller Dreimaster zu sehen, bestimmt ein Piratenschiff.

Zurück mit dem Taxi-Bus, diesmal immerhin nicht wie auf der Hinfahrt zu siebzehnt im 11-Sitzer inkl. Tüten, Taschen und Säcken mit Lebensmitteln. Und das Alles etwas von Spitzkehre zu Spitzkehre, von Schlagloch zu Schlagloch ungewohnt immer auf der linken Straßenseite knapp neben den monströsen Abflussrinnen um die Sintfluten des Regengottes abzuleiten. Die ziemlich jugendlich wirkende Queen auf den EC$-Scheinen achtet darauf, dass es beim Linksfahren, den Meilen und Inches bleibt. Eigentlich überflüssig, denn die Briten streiten sich nicht mehr mit den Franzosen um Kolonialpfründe, so wie in den 17- und 18-hunderter Jahren, als es hin und her ging mit der Herrschaft. Heute ist Dominica ein eigener Staat im Commonwealth und ist Mitglied der UN. Das ist auch der Grund, warum es hier soviele Chinesen gibt, die so manche Straße hier bauen und auch mitfinanzieren. Man sollte sich halt immer gut stellen mit einem Land, das zwar nur 70.000 Einwohner, aber eine Stimme in der UN-Vollversammlung hat. So wie Antigua und Barbuda (90.000 Einwohner), Saint Lucia (170.000), Barbados (290.000) gGrenada (100.000) und Trinidad und Tobago (1,3 Mio.). Warum fällt mir gerade jetzt die Blatter-FIFA ein?

Um den Chinesen nicht die UN-Stimme kampflos zu überlassen, freuen wir uns über die EU-Flagge mit den 27 Sternen als Co-Financier des Dominica-Museums. Richtig helfen würde ein Tunnel durch die Insel von Karibik zum Atlantik; ca. 15 Minuten Fahrzeit statt aktuell 90 Minuten. Das könnten die Schweizer am besten machen, falls sie doch mal Mitglied der EU geworden sein sollten.

Nach der ersten Hälfte des Urlaubs meldet sich nun ab und zu der Forscher in mir: Ich stelle empirisch fest, dass einem durchschnittlichen Tag zwischen morgens 7 Uhr und abends 19 Uhr es 12 mal regnet, auf der angemessenen Skala stark-sehr stark-Sintflut. Leichter Regen kommt nicht vor – und wenn dann zähle ich ihn nicht mit. Regen bei gleichzeitigem Sonnenschein, verschönt durch einen Regenbogen, ist übrigens eine häufige Ausnahmeerscheinung, aber schwer zu fotografieren – aber möglich …

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Regenwald mit Regen und Sonne

Da außerdem Dominica kaum Traumstrände mit Palmen aufweist, sieht die Insel noch weitgehend so aus wie früher, ein Traum für Naturliebhaber, Wanderer, Ökotouristen. Hier gab es in letzter Zeit keinen Vulkanausbruch, dafür aber 1979 Hurrican Dean, der unfassbare Zerstörungen in der Natur anrichtete und die Bewohner scheinbar nachhaltig traumatisierte.

Die Überfahrt nach Guadeloupe wurde diesmal nicht verschoben und zu meiner Freude von Wind und Wellengang weitgehend verschont. Wir fahren an einigen hübschen Mini-Inseln vorbei (Ils des Santes, Maria Galante und La Desiderante) und sind dann auf einmal wieder in Frankreich, in der EU.

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